Wirkung von Verlegemuster

Ein schmaler, langer Raum kann mit einem quer verlaufenden Parkett optisch verkürzt und verbreitert werden. Einem unentschieden dem Quadrat angenäherten Raum kann mit einer Längsverlegung eine entschiedene Richtung gegeben werden usw. Die Raumrichtung läßt sich mit der Verlegerichtung also unterstreichen oder neutralisieren, wenn nötig sogar in ihr Gegenteil verkehren. Bei großen Räumen, besonders wenn Stabparkett als Verbandboden genagelt wird, sollte aber das Holz in Raumlängsrichtung verlegt werden, weil so die geringsten Quell- und Schwundbewegungen zu erwarten sind. Deshalb verlangt auch DIN 18367 für Holzpflaster ein Verlegen entlang der kurzen Raumseite. Wie die Verlegerichtung einen Einfluss auf die Wirkung der Raumrichtung hat, hat auch die verwendete Holzgröße und der Einbau von Zwischen- und Wandfriesen einen Einfluss auf die Wirkung der Raumgröße. Kleine Abmessungen, z.B. Mosaikparkett, kleine Parkettstäbe und Holzpflaster, vergrößern einen Raum optisch, während große Abmessungen, z.B. große Parkettstäbe und breite Dielen, einen Raum optisch verkleinern. Zwischenfriese gliedern eine Raumfläche. Wenn nur wenige Zwischenfriese verwendet werden, wirkt ein Raum kleiner und kann schnell optisch in einzelne Schollen zerfallen. Bei Verwendung mehrerer Zwischenfriese wirkt ein Raum größer und flächiger. Wandfriese fassen einen Raum zusammen. Bei breiten Wandfriesen wirkt ein Raum optisch kleiner, bei schmalen Wandfriesen wirkt er größer. Weil mit der Holzgröße ein Raum in seiner Wirkung beeinflusst werden kann, ist die Festlegung der Holzgröße eine wichtige gestalterische Entscheidung. Besonders unschön wirken Würfel- oder Kassettenböden aus zu großen Stäben in dafür zu kleinen Räumen. In der langen Tradition, in der Parkettböden hergestellt werden, haben sich eine ganze Anzahl klassischer Parkettmuster für Stab- und Tafelparkett entwickelt. In jüngster Zeit gesellen sich dazu weitere Gestaltungsmöglichkeiten, die aus Design- und Ideenwettbewerben hervorgegangen sind. Beim Mosaikparkett ist die Bandbreite der Gestaltung wesentlich schmaler. Dagegen knüpft das 10mm Massivparkett an die Tradition der furnierten Parketttafeln des 19. Jahrhunderts an. Auch im Bereich des Fertigparketts sind Tendenzen zu Raumgliederungen durch aufeinander abgestimmte Elementgrößen in verschiedenen Formen, Holzarten und Farben erkennbar. Die wesentlichen Gestaltungsmöglichkeiten mit Parkett sind: Farbe und Textur der verwendeten Hölzer, verschiedene Größen der einzelnen Hölzer, die Konturen (geradlinig oder geschweift), mit denen die einzelnen Hölzer aneinander stoßen, verschiedene Holzarten der einzelnen Hölzer in einer Fläche, farbige Behandlung der gesamten Fläche oder einzelner Hölzer in einer Fläche, Verwendung von Zwischen- und Wandfriesen und Betonungen der Raummitten oder Raumecken. Beim Entwurf von Parkettmustern müssen die Bewohner und die Nutzung des Raumes im Vordergrund stehen. Besonderes Augenmerk sollte man dabei auf den Möblierungsstil der Bauherrschaft legen. Zu einer Einrichtung mit Antiquitäten passt eher ein Musterboden in verschiedenen Hölzern und eine Betonung der Raummitte oder der Raumecken, zu einer Einrichtung mit modernen Designmöbeln passt eher ein Boden mit einer farbigen Gestaltung. Modische Entwürfe sind sehr gefährdet, in kurzer Zeit unmodern zu wirken. Weil Parkettböden eine hohe Lebensdauer haben, sollte aus ökologischen Gründen alles vermieden werden, was die Lebensdauer herabsetzt. Dazu gehört auch, dass möglichst nur Entwürfe realisiert werden, an denen die Bauherrschaft ein Leben lang Freude hat. Eine Entscheidung für einen langlebigen Fußboden wird sonst womöglich mit einem ungeeigneten Entwurf in ein kurzlebiges Verbrauchsgut verfälscht, das bei einer Änderung der Mode gegen ein neues ersetzt werden muss. Historische Beispiele zeigen, dass auch aufwendig gestaltete Holzfußböden, die im Einklang mit der gesamten Raumausstattung sind, über Jahrhunderte ihren Reiz und ihre Schönheit behalten. Deshalb soll an dieser Stelle jeder Parkettleger ermuntert werden, auch individuell gestaltete Musterböden anzubieten. In einer Zeit der uniformen Massengüter entdecken immer mehr Menschen den Reiz einer individuellen Selbstdarstellung, z.B. auch in der Gestaltung der eigenen vier Wände. Diesen Trend kann und sollte sich der Parkettleger zunutze machen. Bei entsprechender Beratung sind viel mehr Menschen bereit, diese Individualität mit einem entsprechenden Preis zu honorieren, als oft vermutet wird. Wenn die folgenden Hinweise beim Entwurf von Musterböden beachtet werden, ist die Gefahr, Stilblüten zu produzieren, relativ gering. Bei der Auswahl verschiedener Hölzer in einer Fläche sollte sowohl auf die Farben als auch auf die Textur der einzelnen Hölzer geachtet werden. Große Farbkontraste und große Unterschiede in der Textur, z.B. bei Ahorn und Wenge, in einer Fläche können laut und aufdringlich wirken, während in Farbe und Textur nah beieinander liegende Hölzer, z.B. Esche und Robinie oder Ahorn und Kirsche, sehr ruhig und dezent wirken können. Mit Eiche lässt sich sehr gut französischer (heller) Nußbaum oder Kirsche, aber auch Mecrusse oder Merbau kombinieren. Bei der Verwendung von Zwischen- und Wandfriesen und der Betonung von Raummitten oder Raumecken muss vor allem auf die Größe und die Platzierung der Möblierung Rücksicht genommen werden. Aufwendige Friese und Betonungen der Raumecke oder der Raummitte, die von einem Schrank, einem Sessel oder gar einem Teppich teilweise verdeckt werden, büßen ihre Wirkung weitgehend ein, führen gar zu einer Raumstörung. Bei der Verwendung von Wandfriesen kann es manchmal sehr reizvoll sein, nur eine Raumseite, z.B. die Fensterwand, oder eine Raumecke mit einem Fries einzufassen und dann den Fries totlaufen zu lassen. Das gilt besonders für Räume, deren Wände nicht rechtwinklig zueinander stehen. Wandfriese, die in diesen Fällen symmetrisch um den Raum herumgeführt sind, wirken oft verkrampft. In jedem Fall sollte der Musterspiegel der Raumfläche umlaufend mit dem gleichen Rapport enden. Die dadurch entstehenden unterschiedlichen Breiten für den Wandfries können ohne Probleme und in der Regel optisch kaum wahrnehmbar im Fries aufgefangen werden. Wenn auch für Parkettböden verschiedene Gestaltungsmittel zur Verfügung stehen, sollte man sich aber doch hüten, zu viele davon in einer Fläche anzuwenden, weil sich sonst die Wirkungen der einzelnen Gestaltungselemente gegenseitig aufheben können. Beim Entwerfen von Parkettmustern sollte man immer den Designergrundsatz "weniger ist mehr!" im Kopf haben. Ein aufwendiges Muster für eine untergeordnete Nutzung kann leicht lächerlich wirken. Mit Stabparkett lassen sich viele verschiedene Muster verlegen, die je nach Landschaft auch oft unterschiedlich bezeichnet werden. Hier werden die klassischen Stabparkettgrundmuster mit Verband, Altdeutscher Verband, Fischgrät, Flechtmuster, Würfelboden sowie Kassettenboden benannt. Das wichtigste Gestaltungselement bei allen diesen Mustern ist ein ständig wiederkehrender Rapport, der durch wenige verschiedene Stabgrößen gekennzeichnet ist. Die einfachste Variationsmöglichkeit besteht darin, die Muster diagonal in den Raum zu legen, was oft einen völlig anderen Raumeindruck hervorruft. Aus diesen Grundmustern lassen sich eine ganze Reihe weiterer Muster entwickeln, indem z.B. ein Altdeutscher Verband durch mehrere Querstäbe in einen Leiterverband, ein Fischgrät in ein doppeltes oder dreifaches Fischgrät, ein Kassettenboden mit mehr oder weniger vielen Zwischenstäben oder ein Flechtboden mit mehr oder weniger vielen Stabgrößen variiert wird. Eine weitere Gliederungsmöglichkeit besteht in der Anordnung von Zwischenfriesen und in der zusätzlichen Gliederung der Friesstäbe mit eingelassenen Adern. Eine besondere Variante der Kassettenböden sind die Rautenböden. Bei den Rautenböden sind die Zwischenfriese zwischen den einzelnen Würfeln in der Form einer Raute geschnitten. Diese Anordnung erzeugt beim Betrachter das Bild einer Kavaliersperspektive. Die Fußbodenfläche erscheint wie das räumliche Bild einer aus aufeinander gestapelten Würfeln bestehenden Treppe. Wenn die verwendeten Stäbe farblich und in verschiedenen Helligkeiten aufeinander abgestimmt sind, lässt sich diese Wirkung weiter steigern. So schön diese Spielerei für einen Parkettleger auch sein mag, können solche Böden den Benutzer doch derart irritieren, dass er in seinem sicheren Stand und Gang beeinträchtigt wird. Deshalb sollten Rautenböden nur dort eingesetzt werden, wo diese Irritation gewünscht wird, ohne dass sie üble Folgen haben kann. Wandfriese können als einfacher umlaufender Stab mit oder ohne Betonung der Raumecke oder als mehr flächig wirkende Bordüren ausgeführt werden. Auch hier sind wieder vielfältige Variationsmöglichkeiten mit zusätzlichen Friesstäben und mit Friesstäben mit eingelassenen Adern möglich. Betonungen der Raummitten sind in Wohnräumen fast immer problematisch. In Foyers oder in Tanzflächen in einem Festsaal können sie aber durchaus angemessen sein. Völlig neue Wege werden in jüngster Zeit durch die Verwendung geschweifter Formstücke und durch die Kombination verschiedener anderer Materialien, z.B. Stein, mit Parkett gegangen. Bei der Kombination von Holz mit anderen Materialien muss gewährleistet sein, dass die gesamte Fußbodenfläche schleifbar ist und bleibt, so dass später nötige Renovierungsschliffe möglich sind, z.B. durch lose verlegte und herausnehmbare Steinfriese. Tafelparkett und Friese für Tafelparkett werden von den verschiedenen Herstellern in unzähligen Varianten angeboten. Einige Hersteller haben sich auch auf die Produktion von Intarsientafeln und von intarsierten Wandfriesen spezialisiert. Fast alle Tafelparketthersteller sind auch bereit, nach Entwürfen eines Parkettlegers oder Designers Parketttafeln anzufertigen. Das Sortiment lieferbarer Muster für Mosaikparkett ist sehr eingeschränkt. Neben dem am häufigsten anzutreffenden Würfelmuster sind auch Verlege Einheiten in Verband und Fischgrät lieferbar. Einige Hersteller haben auch Mosaikparkett Verlege Einheiten in Kassettenform, zum Teil mit eingelegten Adern, im Programm. Fertige Friese für Mosaikparkett sind nicht lieferbar. Das individuelle Herstellen von Friesen aus Mosaikparkettlamellen ist sehr aufwendig, und es ist dabei zu fragen, ob der Aufwand in vernünftigen Relationen zu dem erzielbaren Ergebnis steht. Eine praktikable Möglichkeit für Mosaikparkettfriese besteht in der Verwendung von ganzen oder halben Würfeln. Fertigparkett wird in fast allen klassischen Stab-, Tafel- und Mosaikparkettmustern und in Dielenform hergestellt. Für die Gliederung der Fläche und für Friese werden von einigen Herstellern kleinteilige, auf die Abmessungen der Fertigparkett-Elemente abgestimmte Elemente angeboten. Mit 10 mm Massivparkett lassen sich alle vom Stabparkett bekannten Muster realisieren. Darüber hinaus sind durch das stumpfe Aneinanderlegen des 10 mm Massivparketts auch die Kompliziertesten, kleinteiligsten Mustervarianten ohne Rücksicht auf die Verbindung der einzelnen Stäbe untereinander möglich. Dasselbe gilt für Friese, so dass es möglich ist, individuell entworfene Friese mit guter Wirkung mit einem vertretbaren Arbeitsaufwand herzustellen. Viele Hersteller von 10 mm Massivparkett liefern auch fertige Friese, zum Teil mit eingelegten Intarsien.